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Pendeln zum Job – wie weit fahren Arbeitnehmer in Deutschland?

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Stundenlange Fahrten, wöchentliche Abschiede, kein echtes Zuhause. Für den Job nehmen das unzählige Deutsche in Kauf.

Mobilität ist selbstverständlich geworden. Noch nie gab es in Deutschland so viele Pendler wie heute. Das Thema steht überall weit oben auf der Agenda, sowohl in der Politik als auch in fast jedem Unternehmen und Privathaushalt. Die Fragen, wo man arbeitet und wo man wohnt beeinflussen entscheidend die Lebens- und Arbeitsqualität.

Berufspendler – Umfrage StepStone

Deshalb hat StepStone im Frühjahr 2018 mehr als 24.000 Fach- und Führungskräfte sowie 4.000 Unternehmen zu ihren täglichen beruflichen Arbeitswegen befragt. Die Umfrage zeigt, dass bis zu einer Stunde pro Weg für jeden zweiten Berufspendler in Ordnung sei. Diese Fahrten dauern nicht zwangsläufig 60 Minuten pro Weg, jedoch hält jeder zweite Berufspendler diese Dauer noch für akzeptabel. Die Antworten zeichnen ein klares Bild: lange Arbeitswege gehören zum Alltag deutscher Arbeitnehmer.

Jeder zweite Pendler ist pro Weg bis zu 30 Minuten unterwegs; 21 Prozent immerhin schon bis zu 45 Minuten. Und fast ein Drittel der Befragten verbringen täglich sogar mehr als 45 Minuten mit dem Weg zur Arbeit – und das morgens und abends. Beschweren tut sich allerdings nur jeder Fünfte. Für diese zwanzig Prozent ist die Fahrzeit einfach störend. Dennoch ist die Bereitschaft zu Pendeln nach wie vor hoch. Denn die naheliegende Lösung, den Job zu wechseln, dazu ist nur jeder Zehnte von StepStone Befragte bereit. Die Mehrheit der Pendler fährt übrigens mit dem Auto. Obwohl der ÖPNV immer weiter ausgebaut wird, ziehen zwei von drei Berufspendlern den PKW vor. Über die Gründe für ein „Nei“n zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist sich die Mehrheit einig. Mehr als jedem zweiten Autopendler dauert die Fahrt zwischen Wohn- und Arbeitsort per Bus und Bahn einfach zu lang. 23 Prozent meinen zudem, dass öffentliche Verkehrsmittel nicht genug Flexibilität bieten.

Pendler in Gronau

Ich selbst wohne und arbeite in Gronau und gehöre damit zu den sogenannten Binnenpendlern – so wie 40 % aller in Deutschland lebenden sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. In Gronau liegt dieser Anteil mit 60% vergleichsweise hoch. Von den insgesamt 16.873 Beschäftigten bleiben 10.187 zum Arbeiten im Ort. 6.684 Personen arbeiten hingegen anderswo (Daten der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Pendelverhalten). Gronau ist da bestimmt auch eine Ausnahme. Für die Städte Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt, Köln, München hingegen nehmen die Pendler lange Wege in Kauf.

Job find 4 you und seine Pendler

Ich habe das Pendeln zum Thema genommen um einmal zu schauen, wie sich das Verhalten in unserem Unternehmen, der Job find 4 you, darstellt. Als Beispiel habe ich hier die Daten eines Großkunden zugrunde gelegt. Bei diesem Kunden haben wir zurzeit (Juni 2018), 534 Mitarbeiter im Einsatz. Im Durchschnitt fahren unsere Mitarbeiter 24 Kilometer für einen Weg. 44 % fahren zwischen 20 Kilometer oder weniger um an ihren Einsatzort zu gelangen. Der größte Teil, nämlich 51%, fährt täglich zwischen 20 und 50 Kilometern für einen Weg. Nur 27 Mitarbeiter (5%) haben einen Arbeitsweg über 50 Kilometern. Übrigens, ein Mitarbeiter legt täglich für den Weg zur Arbeit (hin und zurück) 176 Kilometer zurück.

Pendeln und Gesundheit

Für die Gesundheit ist Pendeln Studien zufolge alles andere als gut. Die langen Fahrzeiten zur Arbeit können Spuren hinterlassen. Wer eine längere Pendlerzeit auf sich nimmt, ist in der Regel erschöpfter und berichtet von Nervosität und Reizbarkeit. Das hat eine Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ergeben. Wer das ändern will, muss dem Pendeln entkommen. Ein Umzug kann eine Option sein. Dieser Vorschlag stößt bei den Befragten der StepStone-Umfrage auf mehr Zustimmung als der Jobwechsel. Jeder Vierte der 24.000 Teilnehmer würde seinen Wohnort für den Job wechseln. Aber nur unter einer Bedingung: Der Standort des Arbeitgebers darf nicht nur zum Arbeiten, sondern sollte auch zum Leben schön sein. Tatsächlich für den Job umgezogen ist in seiner beruflichen Laufbahn immerhin schon jeder Zweite der Befragten.

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Foto Autor

Rita Sundag