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Das Bunte Bentheimer Schwein

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Bei DNL-contact haben wir es mit sehr unterschiedlichen Projekten zu tun,

aber manchmal ergibt sich plötzlich etwas ganz Besonderes. Ein Schwein spielt die Hauptrolle. Ein Schwein spielt die Hauptrolle. Die Hauptfigur, das Bunte Bentheimer Schwein ist eine Schweinerasse aus der Grafschaft Bentheim und dem Emsland und war vom Aussterben bedroht. Das Bunte Bentheimer Schwein wird von einem einzigen Bio-Bauern Hillmann in Schöppingen in kleinem Umfang gehalten. Dieser Landwirt Hillmann hat DNL-contact gebeten, ihn bei der niederländischen Vermarktung dieses Fleisches zu unterstützen und dem Fleisch zu besserer Bekanntheit zu verhelfen. Heutzutage gewinnt diese Rasse vermehrt an Bedeutung, da sie, im Gegensatz zu den hochgezüchteten Schweinen, durch eine bessere Fleischqualität gekennzeichnet ist. Der Speckanteil ist verhältnismäßig hoch, das Fleisch selbst weist einen hohen intramuskulären Fettanteil auf, was sich positiv auf die sensorischen Qualitäten des Fleisches auswirkt (Geschmack, Aussehen, Brateigenschaften). Das Bunte Bentheimer Schwein hat über den ganzen Körper verteilt größere schwarze Flecken, ist schnell erwachsen und fruchtbar. DNL-contact unterstützt diese Sonderaufgabe von ganzem Herzen, denn so tragen wir auch zur Erhaltung der regionalen Identität und einer neuen Blüte dieser alten klassischen Haustierrassen bei.

Geschichte

Die Geschichte der Bunten Bentheimer Schweine beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals waren in Deutschland die Bäuerinnen für die Schweinehaltung auf den Höfen verantwortlich. Neben den vorherrschenden weißen Landschweinrassen war bei ihnen die Haltung bunter und gescheckter Rassen beliebt. Das Bunte Bentheimer Schwein war eine fruchtbare, genügsame, stressresistente und anspruchslose Schweinerasse mit guten Muttereigenschaften. Die Ferkel ließen sich aufgrund der guten Fleischqualität – und nicht zuletzt auch wegen der Scheckung – auf den Märkten gut absetzen. In den 1950er-Jahren lag die Hochzeit der Bunten Bentheimer Schweine. Als einfach und günstig zu haltende sowie überaus fruchtbare Tiere lieferten sie ein Fleisch von exzellenter Qualität, das nach den schweren Kriegszeiten auch sehr gefragt war.

Mit dem Aufkommen des Wirtschaftswunders in Deutschland änderten sich die Verbrauchergewohnheiten. Fettarmes Fleisch war nun gefragt, das die Bunten Bentheimer aufgrund des „ungünstigen“ Fleisch-Fett-Verhältnisses (gegenüber dem Anteil in heutigem Schweinefleisch) nicht liefern konnten. Auch die Schweinezucht änderte sich – wenige „Wirtschaftsrassen“ nahmen den Platz früherer, regional angepasster Rassen ein. Das Herdbuch wurde aufgelöst und die Zahl der Züchter des Bunten Bentheimer Schweines ging drastisch zurück. Letztendlich hielt nur ein Züchter in der Grafschaft Bentheim an der Haltung der Swatbunten fest und bemühte sich über Jahre hinweg, Behörden und Landwirte von einer koordinierten Weiterzucht und Vermarktung zu überzeugen. In den 1990er Jahren hielt er praktisch den gesamten noch vorhandenen Bestand des Bunten Bentheimer Schweines. Bei nur noch rund 100 Zuchttieren deutschlandweit war diese Rasse hochgradig vom Aussterben bedroht. Mit der Gründung des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines, dem Aufbau eines bundesweiten Herdbuchs mit der Erfassung aller noch vorhandenen Bestände in Deutschland, dem Aufbau eines koordinierten Zuchtprogramms und einer modernen Vermarktungsstrategie soll der Zukunft dieser erhaltenswerten Schweinerasse eine langfristige Perspektive gesetzt werden. Durch das einsetzende Aufblühen des Interesses an der Rasse wird das Bunte Bentheimer inzwischen wieder verstärkt in Lebensmittelproduktion und Gastronomie verwendet. Im August 2014 gab es wieder 410 Herdbuchsauen und 90 Eber in Deutschland. Gefördert wird dies auch durch den allgemeinen Trend zum „Slow Food“, wie auch die Aufnahme des Bunten Bentheimers in die „Arche des Geschmacks“ zeigt. Das Fleisch des Bunten Bentheimers wird so auch in der Szene- und gehobenen Gastronomie gerne verwendet, ebenso wie auch für die Herstellung von Premium-Lebensmitteln wie z.B. dem Westfälischen Knochenschinken, der Ahlen Wurst und weiteren Wurst- und Schinkenspezialitäten.

 

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Foto Autor

Claudia Extercatte